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Orte, wo ich auf Reisen schreiben kann

Reisen

Cafés und Schreibtische sind die am häufigsten genutzten Plätze für Leute, die beruflich schreiben. Auf Reisen fehlt manchmal beides. Trotzdem will und muss ich auf Reisen irgendwo schreiben, eigentlich täglich – wie es sich für eine Bloggerin gehört.

Mit den Jahren haben sich neue Lieblingsplätze zum Schreiben herauskristallisiert…

Lieblingsplätze?

Notlösungen, nennen es manche Leute. Es bleibt aber dabei: Heute sind diese Orte, wo ich auf Reisen schreiben kann, meine Favoriten. Ich habe sogar eine Prioritätenliste nach meinen Erinnerungen erstellt.

Ranking von Schreibplätzen auf Reisen

Platz 5: Im Bus/Zug oder Auto

Wenn ich nicht selbst fahren muss, beobachten die fahrenden Begleiter plötzlich Schweigen. Wenn sie sich umsehen – was sie aber eigentlich nicht tun sollten – wenn sie also verwundert nachsehen, warum ich so wortkarg bin, sehen sie wie ich in meiner Tasche, Stift und das Notizbuch zücke und in das Buch kritzle. Mehr als Stichworte bekomme ich meist nicht aufs Papier, weil alles so unberechenbar schaukelt. Trotzdem: Was mir wichtig ist, bekomme ich schon schwarz auf weiß.

Neuerdings ersetzt das Smartphone oder Tablet das gute, alte Notizbuch. Mehr als Stichworte schaffe ich aber auch nicht: Mir fehlt die Virtuosität von der whatsappenden und facebookenden Jugend.

Platz 4: Bett

Marcel Proust, Truman Capote, Sigmund Freud… die Reihe derer, die im Liegen schrieben, ist lang. Tintenflecke auf weißem Laken sind heutzutage ja auch kein Ärgernis mehr. Wir greifen einfach zum Nachtkästchen hinüber. Dort liegt Tablet oder Laptop zum Arbeiten bereit. Im Bett entstehen Geschichten, ja sogar Romane! Der Beleg dafür war schon Proust.

Das berühmteste Bett, in dem ich geschrieben habe?  Frida Kahlos Schlafstatt… Dieses Bett transportierten sogar Arbeiter ins Bellas Artes (Museum von Mexiko Stadt) mit der ausstellenden Malerin darin. Sie konnte nicht mehr gehen, sollte ihrer Ausstellung aber beiwohnen. Ja genau, auf der Kante des bekanntesten Bettes der Malereigeschichte saß ich und schrieb. Ich musste abwarten, bis sich die Menschenmenge aus dem schmalen Schlafzimmer hinaus in den Garten verlief.

Platz 3: Terasse auf Schi- oder Almhütte

Gebirgspanorama regen die Phantasie an, vor allem wenn sie in das rotgesprenkelte Licht eines Sonnenuntergangs  getaucht sind. Dafür verbringe ich schon einmal ein paar Stunden auf einer zugigen Terasse: Finger frieren, der Atemhauch rieselt fröstelnd auf den Tisch und der Tee vor mir wärmt schon lange nicht mehr. “Komm schon, wir gehen!”

Nicht doch ein Satz geht noch… nur noch einer… warte, da fällt mir ein… nein, fallen mir zwei… oder waren es drei?.

Wer mit mir ist, kann nur hoffen, dass die Sonne bald untergeht.

Platz 2: Oberschenkel

Für den Strand, südlichere Gefilde oder die Wüste hat sich dieser Ort leider als ungeeignet erwiesen: Tablets und Laptops laufen warm. Das kann auf den Oberschenkel ziemlich ungemütlich werden.

In Teliko Tarnovo, Bulgarien, heizte sich das Tablet schon im April dermaßen auf, dass es sich von selbst ausschaltete – und meine Oberschenkel rauchten…

1. Auf dem Koffer

Flughäfen, Grenzübergänge und Bahnhöfe haben des öfteren keine Sitzplätze. Grenzgängern und fahrendem Volk darf es nicht zu bequem gemacht werden – ist scheinbar die Devise.

In Tijuana, Mexiko, dem Grenzübergang zu San Diego, USA, verweigerte der US-Zollbeamte Reisenden den Wartesaal. Das Computersystem sei zusammengebrochen. Wir sollten draußen warten, bis es wieder funktionieren würde.

Wie lange die Reparatur dauern würde?

Das könne er nicht sagen!

Tijuanas Grenzübergang ist nachts kein Ort, den man freiwillig verlässt. Er zumindest ist bewacht. Doch liegt er inmitten eines Rings von Drogenhändlern, Prostituierten und zwielichten Bars. Wir – die innerhalb kürzester Zeit verschworene Gemeinschaft aus Grenzgängern – mussten bis vier Uhr morgens warten. Keiner verließ die Grenzstation. Wir standen vor dem Grenzzaun, auch eine etwa 70jährige Mexikanerin, frierend, plaudernd, schimpfend und doch geduldig wartend.

In diesen Stunden habe ich meinen Koffer schätzen gelernt!

Notizbuch und Stift auch. Sehr!

An welchen Orten schreibst du?

Schreibe mir doch deine Lieblingsorte und welche Erinnerungen du damit verbindest!

 

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