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Globetrotters Sehnsucht nach Zuhause

Shakshuka heißt das Gericht. Mit ihm beginnt die Sehnsucht, die Sehnsucht nach Zuhause.

Im Café am Zocalo, dem Hauptplatz von Cholula lachen mich die Eieraugen aus der Tonschüssel an. Sie schwimmen in einer Sauce aus Tomaten und anderem Gemüse. Shakshuka, guten Morgen!

Shakshuka -  Sehnsucht nach ZuhauseIch habe das Gericht nichts ahnend bestellt. Huevos fritos stand auf der Karte, eigentlich Spiegeleier. Dass, als der Kellner die Eier in einer irdenen Schüssel servierte, meine Großmutter vor mir stand, damit habe ich nicht gerechnet. “Iss Kind”, sagt sie und schenkt den Chai ein. Die mexikanischen Eier schmeckten etwas anders als gewohnt, mehr nach Chili und Zwiebel, weniger nach Sumach und frischem Koriander. Aber die Erinnerung blieb zurück.

Auslöser mag immer wieder etwas Anderes sein: Ein Gewürz vielleicht, ein Duft, ein vermeintlicher Bekannter. Globetrotter kennen den Moment – diesen Moment, in dem plötzlich die Luft um dich herum flirrt, der Atem stillsteht – die Erinnerung dich weglockt. Weglockt und dir das längst Verlassene vorgaukelt, dich nur wenig später zurücklässt – mit der Sehnsucht nach Zuhause.

Was hält davon ab zurückzukehren?

Heimweh überfällt Globetrotter unvorhergesehen, macht sie melancholisch und lässt sie schon einmal überlegen, ob es an der Zeit wäre zurückzukehren. Vielleicht um den Wechsel der vier Jahreszeiten wieder zu fühlen oder zu sehen, wie schnell sich zuhause alles dreht. Was hält davon ab, sofort das Flugticket in die Heimat zu kaufen? Zurückzukehren?

Ich habe zwei Leidenschaften, die mich genau in diesen Augenblicken des Zweifels daran erinnern, warum ich weiter unterwegs sein will:

1. Schreiben

In den Heimweh-Momenten nehme ich eines meiner selbst geschriebenen Notizbücher und schmökere. Abgesehen davon, dass es eine Weile braucht, bis ich meine eigene Schrift entziffern kann, lenkt mich der Inhalt ab, weckt meine Neugier. Wie ist das eine festgehaltene Missverständnis zu interpretieren? Was weiß ich noch nicht über die Familie, bei der ich wohnte? Wo leben die Affen tatsächlich, die ich mitten im See beobachtet habe?

Hinter dem Horizont meiner Beobachtungen und Geschichten steckt noch so viel mehr – da kann ich doch noch gar nicht zurück!

2. Kochen

Wer eine Leidenschaft hat, erzählt meistens noch von einer zweiten: Wenn ich also keine Lust zu lesen habe, meine Hände lieber beschäftigt halte, hilft es mir zu kochen. Die Globetrotter, die ich kenne, sind alle Häferlgucker. Nichts ist aufregender als das neue Rezept, die fremden Gewürze, die Gerüche oder die ungewohnte Machart. Küche ist ein weites – ein unendliches Feld und kochen die Ausrede, unter all dem Fremden doch auch wieder das Eigene, die Heimat, mit hineinzubringen.

Kochen ist Sehnsucht nach Zuhause

Das versteht auch Haya Molcho so. Vormals Globetrotterin, heute Gastronomin des Restaurants Neni auf dem Wiener Naschmarkt.

“Kochen”, sagt sie, “ist Sehnsucht nach Zuhause”.

Die rumänische Israeli hat von klein auf erlebt, was es heißt, ein gastfreundliches Heim zu führen. Gekocht wurde für die ganze Nachbarschaft – Palestinenser, Rumänen, Polen, Briten und Perser…  Die Gerichte – ein Sammelsurium aus den unterschiedlichsten Kulturen. Als ihre Familie letztendlich nach Deutschland zog, nahm sie diese Gerüche, Gewürze und ihren Lebensstil – die Gastfreundschaft – mit.

Auch heute noch herrscht in Haya Molchos Töpfen  Integration. Sie hat sich auf ihren ausgedehnten Reisen ein Rezeptrepertoire erschmeckt und erkocht, das jedes neugierige Globetrotterherz besticht. Erst als sie ihre vier Söhne bekam, hatte es mit dem Reisen ein Ende. Mit dem Kochen nicht.

Heute ist Haya Molchos Kochschule in Wien ebenso berühmt wie ihr Restaurant. Dort lehrt sie, wie man die Welt kochend bereist.

Denn im Reisen ist ein Globetrotter zuhause.

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2 Kommentare

  1. Sehr schön geschrieben
    Und ja ich glaube, nirgends kann man Gastfreundschaft besser zum Ausdruck bringen, als in der Küche

    Antworten

  2. Pingback: Best of #28ofblogging – Himbeermama

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